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2. Schritt zur Diagnose ADHS - Die Einschätzung des Facharztes

Die klinische Präsentation einer ADHS ist hochvariabel. Manche Kinder zeigen eine vergleichsweise leichte Symptomatik, in anderen Fällen liegt eine gravierende Beeinträchtigung im Leistungs-­ und Sozialbereich vor.

Die Diagnose ADHS wird, wie bei anderen seelischen Erkrankungen auch, wesentlich aufgrund von Verhaltensbeobachtungen und Beschreibungen des Patienten und dessen Bezugspersonen gestellt. Anhand der Merkmalskriterien für ADHS wird beurteilt, ob Unaufmerksamkeit (Ablenkbarkeit), Hyperaktivität und Impulsivität so ausgeprägt vorhanden sind, dass eine ADHS vorliegt.

Kriterien für den Facharzt

Der Arzt wird die Diagnose ADHS nur dann stellen, wenn das beobachtete Verhalten von dem normalen altersgemäßen Entwicklungsstand eines Kindes sehr deutlich abweicht. Die Probleme müssen zudem seit mindestens sechs Monaten bestehen und in mindestens zwei verschiedenen Lebensbereichen aufgetreten sein, z. B. zu Hause und in der Schule.

Einschätzungen aus dem Nahbereich des Kindes

Für eine umfassende Beurteilung sind Gespräche mit dem Kind selbst und mit dessen Eltern unumgänglich. Bei Schulkindern ist zudem die Einschätzung eines Lehrers wichtig, damit das Verhalten und die Probleme des Kindes nicht nur zu Hause, sondern auch in der Schule beurteilt werden können. Bei diesen Gesprächen geht es wesentlich darum, die Auswirkung der ADHS auf die altersgemäße Entwicklung des Kindes einzuschätzen.

Für einen umfassenden und gründlichen Informationsgewinn werden häufig vom Arzt unterstützende Fragebögen eingesetzt. Dieses Vorgehen wird von wissenschaftlichen Fachgesellschaften empfohlen und hat sich bei der Beurteilung von ADHS-­Symptomen bewährt. Die Fragebögen liegen in unterschiedlichen Versionen, z. B. für Eltern und für Lehrer vor, sodass Beobachtungen zum Verhalten des Kindes sowohl im Familien-­ als auch im Schulumfeld einfließen können. Die Einschätzung der Lehrer zählt neben den Beobachtungen der Eltern zu den wichtigsten Informationsquellen.

Diagnose ab 6 Jahren sinnvoll

Obwohl Anzeichen einer ADHS bereits im Kleinkind-­ oder Vorschulalter vorhanden sein können, wird eine gezielte ADHS-­Diagnostik in der Regel nicht vor einem Alter von 6 Jahren empfohlen. Ein Grund dafür ist, dass ADHS-­Symptome in dieser frühen Lebensphase häufig noch nicht zuverlässig bewertet werden können und die Entwicklung über einen längeren Zeitraum beobachtet werden sollte. Allerdings kann der Arzt bei stark belastenden Konstellationen auch ohne die Diagnose ADHS hilfreiche und entlastende Maßnahmen anbieten.

Wie lässt sich die ADHS bei meinem Kind behandeln?